Regionalgeschichte im Kapitelhaus


 Das Konzept 
"Auf kleinstem Raum möglichst intensiv Besucher und Exponate zusammenbringen."
Mit dieser Vorgabe ist die Zeitgeschichtliche Werkstatt im Kapitelhaus angetreten und hat dafür die dreiseitigen Stelen auf Rollen entwickelt. Jeweils drei übermannshohe Lattenroste aus leichtem Birkenholz sind im Dreieck montiert und bieten reichlich Platz für thematisch unterteilte oder zusammenhängende Infotafeln nebst Monitoren.
Weitere Themen und Ausstellungstücke werden auf Infotafeln und in Schauvitrinen rundum an den Wänden gezeigt. Ein weiterer, größerer Monitor taugt für aktuelle Veranstaltungen. und kann überdies auch mobil außerhalb des Kapitelhauses eingesetzt werden.

Die Technik
Die Multimedia-Technik für Videos, Bilder und Tondokumente befindet sich innerhalb der Stelen. Die stromsparenden und zuverlässigen Linux-Kleincomputer "Raspberry Pi" sorgen mit der Präsentationssoftware "Pi Presents" und den unterhalb der Monitore angebrachten Steuerknöpfen für einen interaktiven, wartungsfreien Dauerbetrieb. Die Stromzufuhr erfolgt über Versorgungsschienen an der Raumdecke. Das erlaubt die einfache Verschiebung der Stelen, um Platz für Publikumsveranstaltungen zu schaffen, oder die Exponate neu anzuordnen.
Natürlich werden Besucher nicht mit der Technik allein gelassen. Die ehrenamtlichen ZWiK-Gästeführer geben Gästen gern Auskunft und erläutern kompetent die Ausstellung.
Die Werkstatt
Für die Medienarbeit verfügt ZWiK über zwei mobile Video/Audio-Schnittcomputer, mit denen auch Organisationsaufgaben und die Archivierung erledigt werden können. Für den Schwerpunkt "Zeitzeugeninterviews" steht eine Videokamera nebst Stativ und Tonaufnahmegeräten zur Verfügung. Das Kapitelhaus hat natürlich einen Internetanschluss für die Kommunikation und Recherchearbeiten.
Die bereits erfolgten Zeitzeugenvideos liegen auf DVD vor und werden in einer durchsuchbaren Datenbank gespeichert.

Historische Odysee

Die historische Odysee des ältesten nicht sakralen Gebäudes im Kreis Verden hat mit Beginn des 21. Jahrhunderts wohl einen guten Stand als Regionalmuseum mit Geschichtswerkstatt eingenommen. Das Kapitelhaus - im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt - diente im ausgehenden Mittelalter als Strukturgericht des Kirchenkapitels, war Steuersammelstelle und fungierte nach der Reformation gut zweihundert Jahre als Gerichtsstätte. Das unterkellerte Haus auf der Südseite von St. Jakobi zu Wittlohe war in neueren Zeiten schon 'mal ein Gefängnis und diente später als erste und enge Heimstatt für Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges. Der Nachkriegsgeneration begegnete das Gebäude ganz profan als Wasch- und Backhaus. Zu einem eigentlich von der Kirchengemeinde Wittlohe geplanten Abriss kam es aber nicht. Nach gründlicher Restaurierung unter strenger Aufsicht der Denkmalschützer ist das Kapitelhaus auch eine touristische Attraktion am Radweg des Aller-Leine-Tales geworden. Das gelang nicht zuletzt, weil die Zeitgeschichtliche Werkstatt im Kapitelhaus (ZWiK) nach solider Recherche von Regionalgeschichte und professioneller Umsetzung in beeindruckende Exponate sich in kürzester Zeit  zu einem wichtigen Stützpunkt der regionalen Geschichtsforschung im Landkreis Verden entwickelt.

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